Abendmahl

Ein Kunstprojekt das Menschen zusammenbringt

Stellen Sie sich eine grosse Halle vor, an deren Wänden eingerahmt in dunkle schweren Holzrahmen 15 grosse Bilder. Die Bilder unterscheiden sich in Farbe und Stil, vereinen sich aber in Thema und Geschichte. Sie zeigen 13 Menschen, die zusammengekommen waren, um mit Fremden Menschen Brot zu brechen und ein Abendmahl zu teilen. 15 Geschichten von Kennenlernen und Auseinandersetzten, eine Geschichte von einem Abendmahl, die sie zusammenbrachte.  Eine Gemiende .                                 

Eindrücke aus den «Abendmahl» in Trogen von 10.02.2024

Nächsten Abendmahl Event:

Basel Stadt, Donnerstag 16 Mai

Sarnen, Sonntag 7 Juli

Glarus, Samstag 7 September

In den letzten 10 Jahren habe ich mich mit dem Thema „Gemeinschaft» (Community) beschäftigt und die Rolle des Künstlers in der Gemeinschaft. Dies geschah, indem ich künstlerisch mit Teil-Gemeinschaften oder Subkulturen gearbeitet habe und so ihren Einbezug in die allgemeine Diskussion ermöglichte. «Subkulturen»/ Gesellschaftsgruppen mit denen ich gearbeitet habe sind u.a. Russische und Ukrainische Mütter, Erwachsene mit Autismus, Syrische Flüchtlingskinder, Schweizer- Women- Leaders, Belarussische LGBTQ und Menschen mit Demenz.

Ein direkter Nebeneffekt dieser Kunstprojekte war die Ermöglichung eines ungezwungenen geistigen gemeinsamen Erlebnisses durch die Kunst mit allen Teilnehmenden. Dadurch entstand oft auch eine gestärkte persönliche Selbstwahrnehmung, was zu einem aufbauenden «Wir- Gefühl» führte. Dieses Gefühl wurde für mich persönlich zur Hauptmotivation meiner Kunst. 

Die genannte Projektserie wurde durch die Corona- Pandemie zum Halt gebracht. Nach fast drei Jahren Pause war es mir möglich, Anfang Februar 2023 ein neues Kunstprojekt zu visualisieren:

Inspiriert von einem Artikel, der erklärte: Wenn ein Paar mit eingeschalteten Smartphones zusammensitzt, sendet ihr Gehirn tatsächlich ein Gefühl von Einsamkeit, so dass sie tatsächlich einsam sind, selbst wenn sie zusammen sind. Ich habe eine alte Idee aufgegriffen und an einem Projekt zum Thema „Intimität“ gearbeitet, wobei ich Paare porträtierte und sie fragte, was Intimität für sie bedeutet.

Eine Hauptfrage, die sich aus dem Projekt herauskristallisierte, war, ob unsere Kinder die gleiche Intimität erreich könnten wie wir im Angesicht der Überflutung von digitalen Medien und KI. Ob sie überhaupt die Geduld und Durchhaltevermögen aufbringen könnten, die nötig ist um eine standhafte Beziehung zu ermöglichen?

Die Entwicklungen im KI-Bereich der letzten Monate und der tiefere Einblick in unsere allgemeine Beziehung zur Technologie, die ich durch das Projekt gewonnen habe, haben den Weg für den Beginn eines neuen Kunstprojekts kreiert, das aus meiner Sicht von grosser Dringlichkeit ist.

«Abendmahl» soll die Entstehung einer Gemeinde mittels Kunst nachgehen. Von der Schaffung kleiner familiärer Zellen durch den kleinen Abendmahl-Prozess mit 13 Personen, bis zur gemeinsamen Selbstwahrnehmung einer Gemeinde mit 150 Mitgliedern, die zwar sehr divers ist, jedoch einen klaren – wenn auch nur künstlerisch-kulturellen – gemeinsamen Nenner hat.

Dabei sollte das Projekt zwei Hauptfragen nachgehen:

  • Wie entstehen Gemeinschaften?
  • Werden wir in der Lage sein, unter dem Einfluss von KI und den immer fortschrittlicheren „Kommunikationswerkzeugen“ eine Gemeinschaft zu bilden oder aufrechtzuerhalten.

Ob durch das Projekt tatsächlich eine Gemeinde kreiert werden kann, bleibt offen. Das Projekt sollte jedoch, sowohl im Rahmen der kleineren «Abendmahl» Events als auch im Rahmen der Abschluss-Installation, bodennah wie auch auf der Metaebene Menschen zusammen zu bringen

Eindrücke as der Vorpremiere – «Abendmahl in Privten Rahmen 23.9.23 

Abendmahl – Konzept in PDF

Die Grundidee:

Durch das Malen von verschiedenen Gruppenbildern mit jeweils 13 Personen und deren Zusammenstellung zu einer Installation wird mit Hilfe der Kunst eine Gemeinschaft/Community mit 150-200 Mitgliedern kreiert.

Konzept:

In Anspielung an die Geschichte des «Abendmahl Christi» und dessen künstlerischen Überlieferungen durch die Jahrtausende werden 13 Menschen zu einem Abendmahl eingeladen. In einer Kunstaktion zwischen Performance und Installation wird dieses «Abendmahl» vor Ort und so zeitnah wie möglich in all seinen Fassetten malerisch festgehalten.

In der gesamten Schweiz werden solche «Abendmahl» Events mit jeweils neuen Gästen wiederholt, bis gesamthaft ungefähr 150 Personen gemalt wurden (also 10-12mal).

Mittels einer Installation der verschiedene «Abendmahl» Bilder und einem Event, bei dem alle Teilnehmenden zusammenkommen können, wird schlussendlich auch durch Kunst eine neue Gemeinschaft kreiert und zelebriert. 

Technisches Konzept:

  • Die 13 Teilnehmenden sollten wenn möglich einander nicht oder nur oberflächlich kennen. Alternativ könnte es auch eine schon bestehende Gruppe sein z.B. Familie, Verein oder Betrieb.  
  • Wen möglich sollte die die Gruppe divers sein hinsichtlich Alter, Geschlecht, Ethnien/Nationalitäten, sozioökonomischem Hintergrund etc.
  • Der Malprozess wird zwischen 4-6 Stunden dauern und wird an einem Abend bzw. bis in die Nacht sattfinden. Alle Teilnehmenden müssen dem ganzen Malprozess beiwohnen.   
  • Um die so gut wie möglich auf die verschiedenen Gruppen einzugehen, werde ich verschiedene Materialien benutzen und von Grund auf eine Mischtechnik anwenden.
  • Um einen gemeinsamen visuellen Nenner zu kreieren, werden alle Bilder auf Leinwand in Bildgrösse von 92x176cm **gemalt.
  • Die Positionierung der 13 Teilnehmenden im Bild wird ähnlich des klassischen Abendmahl-Bilds sein, ein langer Tisch und alle Gäste mit dem Gesicht nach vorne gerichtet
  • Es wird im Bild keine hierarchische Platzierung geben im Gegensatz zum klassischen Bild. Die Plätze werden vor Beginn des Abendmahls von den Gästen gelost

Beautiful Women

Popart- und Streetart-Kunstprojekt zum Thema vertriebene Frauen

Das Konzept für Daniel Eisenhuts „Beautiful Women“-Projekt entstand in seinem Kopf, als er noch an „Lipstick Leaders“ arbeitete. Während er eine weibliche Führungspersönlichkeit porträtierte, wurde er auf eine andere verwiesen und lernte so viele starke Frauen kennen. Als er Rachel Herzog, die Gründerin der SAO Association, traf, entdeckte er ein völlig neues Netzwerk mutiger Frauen. Die SAO Association ist eine Organisation, die sich auf die Unterstützung von Flüchtlingsfrauen und Müttern mit ihren Kindern in Griechenland konzentriert. Frauen und Kinder sind bei der Flucht besonders gefährdet, und die Arbeit des SRH ist von entscheidender Bedeutung. Sie bieten Frauen und Kindern Notunterkünfte und Ressourcen. Sie veranstalten auch Workshops und Schulungsprogramme und helfen Flüchtlingen, wieder auf die Beine zu kommen und neue Orte zum Ansiedeln zu finden.

Der SAO-Verband verfügt über zwei Zentren in Griechenland, in denen Frauen und Kinder die Unterstützung erhalten können, die Asylbewerber so oft benötigen. Das Bashira Center auf Lesbos und das Amina Center in Athen. Zu Ersterem reiste Daniel Eisenhut, um sein Projekt „Beautiful Women“ zu beginnen. Nachdem Daniel Eisenhut den Gründer getroffen und von der guten Arbeit erfahren hatte, die das SAO für Flüchtlinge leistet, war er so berührt und inspiriert, seine Kunst zu nutzen, um Aufmerksamkeit auf ihr Anliegen zu lenken.

Er wollte das Bewusstsein nicht nur für die Organisation, sondern für weibliche Flüchtlinge im Allgemeinen schärfen. Wie bei vielen seiner anderen Projekte wollte Eisenhut mit seiner Kunst Menschen zusammenbringen. Flüchtlinge werden oft übersehen oder, schlimmer noch, weggeschaut und als isoliert oder unerwünscht angesehen. Auf seiner Reise nach Lesbos traf Daniel Eisenhut die Frauen, die aus ihrer Heimat geflohen waren, und er sah Schönheit in ihrer Stärke und Menschlichkeit.

Für Eisenhut ist es wichtig, seine Themen auf individueller Ebene kennenzulernen. Es ist das, was sein Werk zum Atmen bringt, wie er Rohstoffe zum Leben erweckt und seine Arbeit mit authentischen menschlichen Emotionen erfüllt. Das Ziel von „Beautiful Women“ bestand darin, Porträts zu schaffen, die dazu beitragen würden, die Art und Weise, wie wir Flüchtlinge betrachten, menschlicher zu gestalten, und dafür musste er sie kennenlernen. Er sprach mit jeder Frau, während er sie porträtierte. Er leitete Workshops zur Selbsterkenntnis und Selbsterkenntnis der Flüchtlinge. Er war von der Stärke dieser Frauen so beeindruckt, dass er sich bemühte, Kunst zu schaffen, die ebenso unbestreitbar war wie ihre Anwesenheit.

Ich wurde von einem Journalisten nach dem Namen meines Kunstprojekts «Beautiful Women“ gefragt. Hier sind einige Antworten.

In Stil und Konzept würde sich „Beautiful Women“ stark von jedem anderen Projekt Eisenhuts unterscheiden. Die ursprüngliche Idee bestand darin, große Banner mit Pop-Art-Porträts an prominenten Gebäuden rund um Zürich aufzuhängen. Diejenigen, die normalerweise nicht täglich mit den Kämpfen von Flüchtlingen konfrontiert waren, begegneten in ihrem täglichen Leben den Gesichtern von vertriebenen Frauen. Die Gesichter der Frauen, die Daniel Eisenhut im Bashira-Tierheim traf, blickten auf die Stadt. Sie wären schön, würden zum Hinsehen einladen, aber auch farbenfroh, sodass sie nicht wegsehen könnten. Pop-Art war nicht Eisenhuts üblicher Stil. Es ist jedoch auffällig, ästhetisch ansprechend, „populär“ – all die Dinge, die er einem Thema verleihen wollte, das oft auf Abneigung stößt. Der perfekte Weg, das Narrativ des eintönigen Asylbewerbers zu untergraben, den wir von der Gesellschaft ignorieren sollten.

In diesem Projekt habe ich die Originalporträts in POP-ART-ähnliche Porträts geändert. Im Video erkläre ich warum (Englisch)

Während Eisenhuts Aufenthalt auf Lesbos kam es auf der Insel zu Unruhen im Zusammenhang mit dem Flüchtlingslager Moria. Über Nacht kam es zu groß angelegten, teilweise gewalttätigen Demonstrationen, die von Einheimischen als „Bürgerkrieg“ bezeichnet wurden, und ein Generalstreik brachte das gesamte Geschäftsleben zum Erliegen. Zum ersten Mal fühlte sich Daniel Eisenhut ängstlich und machtlos. Er hatte Geld, aber das änderte nichts an seiner Fähigkeit, sich frei zu bewegen. Alle Dinge, die er normalerweise tun konnte, um sich frei zu fühlen, waren weg und er hatte keine andere Wahl, als zu warten. Er hatte Angst, von seiner Familie getrennt zu sein, und die Unruhe um ihn herum machte ihm Angst, jemals wieder zu ihnen zurückzukehren. Es war schwer, und doch war es das, was ihn dazu brachte, wirklich Mitgefühl für die Frauen und Kinder um ihn herum zu empfinden. Als ihm eine Frau sagte: „Jetzt weißt du, wie es sich anfühlt, ein Flüchtling zu sein“, verstand er. Sie hatten kein Zuhause mehr, in das sie zurückkehren konnten. Er war sich nicht sicher, ob er zu seinem Zurückkehren könnte. Das Gefühl, festzustecken, zwang Daniel Eisenhut, härter an „Beautiful Women“ zu arbeiten und weiterzumachen.

Die Porträtsitzungen selbst fanden in einem provisorischen Studio auf Lesbos statt. Es war allen wichtig, dass dies außerhalb des Tierheims stattfand. Wenn man nirgendwo anders hingehen kann und sich in einer verletzlichen Lage befindet, bedeutet Obdach so viel mehr. Es ist wichtig, dass es für Eindringlinge geschlossen bleibt. Ziel des Projekts wäre es, die Kämpfe und Gesichter dieser Frauen sichtbar zu machen, ohne in den sicheren Hafen der SAO-Unterkünfte einzudringen. Die Kunst wäre öffentlich, während die Unterkünfte ihnen gehören würden.

Als in Zürich die Covid-19-Pandemie und die damit einhergehenden allgegenwärtigen Einschränkungen Museen und Galerien zur Schließung zwangen, schien es, als ob die „Schönen Frauen“ bald zu Ende wären. Daniel Eisenhut hat das Projekt neu ausgerichtet und es auf eine respektvollere Art und Weise öffentlich gemacht, als er es ursprünglich beabsichtigt hatte.

Anstelle der großen Banner, die man in Cafés sah, die nicht mehr geöffnet waren als die Büros in den Gebäuden, an denen sie hingen; Die Porträts wurden an einer Wand in den Straßen von Zürich angebracht. Pop-Art traf auf Street-Art, und jeder, der in der Gegend spazieren ging, in der Nähe wohnte oder das Nötigste einkaufte, kam daran vorbei. Die Gesichter der Flüchtlinge aus dem Bashira-Zentrum auf Lesbos blickten auf die Strassen Zürichs. Die Farben knallten und die Gesichter erzählten ihre eigenen Geschichten, während ein QR-Code an der Seite Passanten auf die Website des SAO-Verbandes verwies. Daniel Eisenhut teilte seine Kunst mit der Stadt und machte auf die vertriebenen Frauen und Kinder aufmerksam, die täglich in verschiedenen Teilen der Welt Zuflucht suchen.

«Die Schultern auf denen wir stehen»

Ein Kunstprojekt zum Thema – Alter und Demenz

Fragen:

In einer Stadt-Welt, in der die Sucht nach Jugend fast unersättlich ist, einer Geschäftswelt, die nur auf Stärke und Erfolg fokussiert ist, wird oft vergessen, dass wir alle auf den Schultern eines andern stehen. Jemand hat diese Welt mal besser mal schlechter noch lange Zeit vor uns belebt. Jemand hat die gleichen Fehler gemacht und die gleichen Siege gefeiert, wie wir es jetzt tun.

Diese Menschen leben aber oft mit uns, in Altersheimen oder anderen Institutionen am Rande der Gesellschaft, wo man sie fast nicht sieht, hohes Alter und Demenz haben keinen Platz mehr in unserer Mitte.

Wie kann ich einen Raum erschaffen, in dem wir dies wahrnehmen können?

Wie kann ich für diese Menschen einen Platz in unserer Mitte schaffen?

Idee:

Auf die Fassaden von verschiedenen Gebäuden der Stadt Zürich sind grosse farbige Transparente gestreckt. Jedes Transparent ist ein Portrait. Nicht von einem Celebrity oder einer politischen Figur, nicht von einem jungen Model oder einem süssen Kind, die etwas zu verkaufen versuchen.  Es sind die Portraits von fast unsichtbaren älteren Menschen, die in Heimen oder anderen geschützten Räumen leben.

Konzept:

Das Projekt wird in verschiedenen Etappen durchgeführt:  

Bei einem oder mehreren Besuchen von verschiedenen Altersheimen/ WGs werde ich deren Bewohner portraitierten, und falls möglich auch ein Gespräch mit ihnen führen. Die Portraits werden mit Bleistift auf Papier gefertigt.

10-15 ausgewählte Portraits werden dann bearbeitet und von einem anderen Künstler in traditionell handwerklicher Manier zu Druckplatten in Holz geschnitzt Diese Portraits werden dann auf ähnliche Art 3-4 farbig auf Papier gedruckt.

Diese Serie wird dann digitalisiert und zu grossen Transparenten bearbeitet.

Diese Transparente werden an verschiedenen Gebäudefassaden in der Stadt Zürich aufgehängt.

Im Rahmen einer feierlichen Vernissage werden die Portraits bei einem städtischen Rundgang zu bestaunen sein. Zu dem Rundgang wird ein Projekt-Flyer ausgehändigt mit Gesprächsnotizen zum jeweiligen Portrait

Begründung:

Altersheime/WGs: Sie sind ein Bestandteil unserer Gesellschaft. Ich möchte keine Kritik üben, sondern eher einen Raum erschaffen, in dem Fragen gestellt werden können: Ist es so gut für uns? Wollen/können wir es anders machen?

Bleistift auf Papier, Druckplatten in Holz geschnitzt: Mit der Benutzung von traditionellen Arbeitsmethoden will ich die «Schultern auf denen ich stehe» ehren und Raum in meiner Welt geben.

Serie von Transparenten an Gebäudefassaden der Stadt: Nebst der offensichtlichen Platzierung der Portrait- Serie mitten in der Geschäfts- und Unterhaltungs-Welt, dient es dem Versuch, die lokale Gemeinde in den gedanklichen Prozess zu involvieren und thematisch miteinzubeziehen.

Persönliche Motivation:

Es geht für mich in diesem Projekt nicht um die Klischees rund ums Alter. Ich denke nicht, dass ältere Menschen immer klug und weise sein sollen, oder dass sie immer viel Erfahrung mit sich bringen müssen.  Mit dem «Platz machen» für dieses Thema will ich ein Raum für kollektive Demut schaffen. Weill ich denke, dass, wenn wir nicht bewusst Platz in unsere Mitte fürs Schwache machen können, all unsere Erfolge und unser Können nichtig und hohl sind.

Wie ich unsere Gesellschaft heute wahrnehme, streben wir nur nach dem Schönen und Süssen, was wiederum zur Gefühllosigkeit führt.  Das Alter ist aber eben nicht süss oder wirklich schön und wird deswegen mit allen Mitteln bekämpft und zu Vergessenheit verdammt.  Was dabei oft vergessen wird, ist dass wir alle einmal alt und zerbrechlich werden, und dass es ohne Zerbrechlichkeit in einer Gesellschaft keine wahrhaftige Stärke gäbe.   

Fathers and Leaders 2017-19

Auch bekannt als Crayon Leaders – Kunstprojekt zum Thema Vater-sein

Während meiner Arbeit an meinem Projekt Lipstick Leaders wurde ich oft gefragt, ob ich an einem „Männer-Projekt“ arbeite, hauptsächlich während des Gesprächs mit verschiedenen Leaders, die ich für dieses Projekt porträtiert habe.

Mir war sehr klar, wie ein solches Projekt aussehen soll, das Ziel von Lipstick Leaders ist es, weibliche Führungskräfte auf eine noch nie dagewesene Weise zu zeigen, und ich wollte dasselbe mit männlichen Führungskräften tun:
– Wenn ich die Frauen sehr ernsthaft und ehrerbietig in einem kathedralenartigen Stil dargestellt habe. Die Männerporträts werden auf sehr chaotische, zugängliche und herzliche Weise präsentiert.
– Bei den Lipstick Leaders habe ich mit den Leadern hauptsächlich über Führung und Tagesgeschäft gesprochen. Ich möchte mit den Männern über Herzensangelegenheiten sprechen.
– Wenn ich die weiblichen Anführer mit Kohle und nur mit rotem Lippenstift porträtiert habe, werde ich die männlichen Anführer mit Buntstiften zeichnen, die bunt und fast naiv sein sollten

Damit möchte ich Männer nicht in einem „weicheren Licht“ zeigen oder sie „herabsetzen“. Ich möchte Männer zeigen, wie sie „auch“ wirklich sind, sie sind Führungspersönlichkeiten, die soziale und wirtschaftliche Verantwortung tragen. Und sie sind Väter.

Der Covid19 hat dieses Projekt vom Fliegen abgehalten, aber ich habe die Hoffnung auf seinen Jet nicht aufgegeben. Für mich ist es ein sehr intimes und geerdetes Projekt, das ich gerne teilen möchte. Ich persönlich finde die Portraits, die ich gemacht habe, sehr gut und die gesammelten Geschichten sind meiner Meinung nach eine Sammlung faszinierender Einblicke in die Männlichkeit und die verschiedenen Facetten der Vaterschaft.

Ein Journalist hat mich letztens ein paar fragen zum Projekt gestellt:
Was hat dich dazu bewegt das Väter Projekt anzugehen?
Während der Arbeit auf Lipstick Leaders kam oft die Frage ob ich eine «Männer» Porträt – Projekt machen würde. Wie oft nehme ich solche Fragen sehr persönlich und ernst und ich musste nicht lang denken ob ich das machen werde aber mir fehlte noch eine «Geschichte» oder der die Blickwinkel in die ich das Projekt machen will. Als ich dann Rebecca Guntern (Head of Sandoz Europa) für Lipstick Leaders Portraitiert habe und sie mir eben diese Frage stellt konnte ich ihr dann sofort eine Antwort geben. «Es wird eine Väter Projekt in die führenden Männer aus ihre Familiäre-Väterliche Seite gezeigt werden».
In meinem Arbeitsprozess, liegt zwischen den ausrufen ein Projekt und seine Verwirklichung oft längere Zeitspanne das Konzipieren und Gedanken hier aber war es nicht der Fall. Der Idee war klar und einfach zu kommunizieren. Ich wollte Männer die in ihre Berufsleben Führen porträtieren und dabei zu ihrem eigenen Vater fragen in spezifisch eine Geschichte von ihm um ihre Beziehung.

Warum wolltest Du sie über ihren Vater fragen, warum nicht übe ihre Kinder?
Sie übe ihren Vater zu fragen kam aus zwei Hintergedanken. Zum einem wollte ich sie nicht all zu nah treten. Familie kann sehr schnell sehr nah kommen und ich dachte das so eine Art Abweichmanöver angeboten wird um auf die «Thema» zu Reden aber nicht direkt ansprechen. Es geht mir in meine Projekte nicht um Sachen zu «entdecken» sondern sie so zu zeigen wie sie sind. Dies kann ich nur wenn meine die Modelle oder Teilnehmende sich sicher fühlen.

Was war der andere Hintergedanke?
Ein Gefühl das ich damals hatte und dass mich auch jetzt sehr present ist, ist das Männlichkeit und Vaterschaft und deren Bedeutung in sehr kurze Zeit sich sehr veränderten haben. Die gesellschaftlichen Ansprüche haben sich sehr verändert und in dem das ich erwachsene Männer über Ihren Vater fragte konnte ich auf meiner Art, auf einmal Drei Generationen erfassen (Grossväter, Väter und Kinder). Fokussiert auf die Schweiz hat das sogar noch mehr Nachdruck bekommen.


Warum nur denkst Du das – was macht die Schweiz in der Hinsicht besonders?
Die Schweiz ist eine sehr konservative Gesellschaft in dem gewisse sozialen Normen die in dem Rest von Europa schon gang und gäbe waren sich in der Schweiz nur den letzten 30-20 Jahren sich veränderten (Frauen Stimmrecht ist nur ein kleines Beispiel dazu). Für viele Schweizer ist es noch Normal das Kinder in der Früherziehung zuhause bleiben, was den traditionellen Mann/Frau rollen natürlich sehr beeinflussen. Es hat sich eine Situation kreiert wo die unterscheide zwischen den Generationen sehr klar sind und oft sehr sichtbar. Im Sinn des Projekts finde ich sehr spannend

Die Porträts sind sehr Farbig und Farb-roh. Warum hast Du Malkreide für die Portraits gewählt bis jetzt waren deine Projekte sehr eintönig oder schlicht in dem Sinn, Warum hast gewählt die Väter so Farbe-froh zu malen?
Ich arbeite sehr oft mit Malkreide und benutze dabei sehr bewusst, einfache, fast kindliche Marke. Ich benutze es oft um mich malerisch «aufzuwärmen» es kommt von dem Gedanken das zum einem mit diesem spezifischen Material ich nichts «richtig» oder «Schön» machen kann – also Frei von dem Normen etwas richtig machen zu müssen, was mir erlaubt nur auf das «Tun» zu fokussieren. Der andere Gedanke die wie ich es verstehe in Bezug auf diesem Projekt, sehr wichtig ist. Ist das diese Malkreide für die meiste von uns direkte Bezug zu den ersten schritten der Kreativität sind, wir habe oft eine sehr positive Reaktion dazu.
Es war mir wichtig, dass die Väter mit dieser fast Naive Art gemalt werden, damit das ganze Thema von Anfang an einen anderen Dialog hervorbringen könnte. Ich wollte die Väter von einer weichen fast kindlichen Seite zeigen.
Ich habe das Gefühl das Vaterschaft wenn es im Kunst-Kontext gezeigt wird sehr Klischeehaft ist ich wollte mit dieser farbenfrohe Portait Sammlung das ganze Thema von dem neutralisieren und so der Menschliche Aspekt hervor heben.

Du hast bis jetzt fast 50 Portraits gemacht, viel dir was besonders auf?
Besonders viel mir sehr viel auf, das Projekt war oder ist voller Überraschungen. Zum Beispiel der erste Vater den ich gemalt habe meinte das er Sein Vater nie kannte da er kurz nach seiner Geburt gestorben ist. Dies war ein kleiner Shock für mich, weil es sehr unerwartet war. Es für mich sehr auf das viele der Männer viel es schwer auf über eine Gemeinsame Erlebnis zu erzählen, nicht weil er gewalttätig war oder so (da gab es kein erzähl-Probleme) sondern weil es schlicht keine gab. Sehr Herzwärmend aber auch fiel mir ein sehr häufig benutzter Satz «Meinen Vater war einen sehr beschäftigten Mann, aber wenn es um etwas für mich Wichtiges ging hatte er immer Zeit für mich genommen».

Warum findest Du dieser Satz so Besonders?
Männer oder Väter aus der besprochenen Generation werden oft mir der erste Aspekt soziiert also eher abwesend oder sehr desinteressiert, wenn es um Kinder oder Erziehung geht. Hier zeigt sich eine Seite der oft nicht angesprochen wird: Vaterrolle in der Erziehung. Dazu muss ich auch sagen das oft kamen sehr schöne Menschliche Geschichten danach. Es war einfach schön dabei zu sein und zu hören.

Das Projekt wurde bis jetzt nicht gezeigt, gibt es Pläne es demnächst zu präsentieren?
Ja, es gab Pläne für 2020 es sehr gross auf zu ziehen aber Corona hat da ihre strich gemacht. Ich werde in der letzten Zeit immer wieder danach gefragt und der Idee das Projekt wieder aufzunehmen sit mir nicht fremd. Evtl. mit der sich entwickelte Gender Themen kann er sogar was Neue beitragen. Ich halte mich auf jeden Fall auf der Pirsch für Partnerschaften diesbezüglich und wer weiss evtl. nächste Jahr.

Intim

Ein Kunstprojekt über das Zusammen sein

Von Fr – So 3. – 5. Februar 2023 Unter dem Motto «Intim» habe ich in der Galerie «Kunstsichtbar» Paare porträtieret.

Hintergedanke

Intim: Dem Thema „Intimität“ mit meiner Kunst zu folgen, ist ein lang ersehnter Wunsch von mir. Vor allem die Frage «Wie wird Intimität in meinem Werk erfasst/gezeigt?». Kann ich sie sehen? Wie wird meine Wahrnehmung im Bild gespiegelt? Dies gedacht ausserhalb der übliche Bildkompositionen, die für Romantik und «Liebesbeziehungen» kunsthistorisch typischer Weise gelten.

Bei einem vergangenen Versuch, ein solches Projekt zu starten, fragte ich ein Bekannte, Mutter dreier Kinder, wie sich Intimität in ihrer Beziehung spiegele. Sie meinte «Wenn ich und mein Mann ein Film schauen, jeder in seiner Ecke des Sofas und zwischen uns ein grosse Schale Popcorn». 

Dieses Bild faszinierte mich, da es in Kontrast zu jeglicher piktoraler Idee zu Intimität stand. Als ich mich hinsetzte, um die jetzige Projektversion zu schreiben, kam mir dieser Satz wieder ins Bewusstsein. Ich möchte nicht die Idee oder das Klischee zu Intimität sehen, ich möchte die wahre, einfache oder komplexe Realität sehen. 

SEX: Ist Intimität gleich Sex und Erotik? Ich möchte Paaren einladen, sich zu zeigen, wie sie es möchten ohne klare Vorstellung meinerseits wie (ihre) Intimität aussieht. Es geht für mich darum, eine Frage zu stellen und nicht unbedingt eine Tatsache zu zeigen. Einen Raum für Dialog zu schaffen. In diesem Sinn ist dieses Mal-Projekt kein «Akt» Projekt.  

Interview

Nebst dem Portraitieren habe ich die Paaren gefragt was bedeutet intimtät für sie einge dieser Antworten können sie hier hören:

U und C – was ist «Intimität» für euch ?
A und R – was ist «Intimität» für euch ?
B und E – was ist «Intimität» für euch ?
N und V – was ist «Intimität» für euch ?
C und P – was ist «Intimität» für euch ?
L und S – was ist «Intimität» für euch ?
T und N was ist «Intimität» für euch ?

Lipstick Leaders 2016-2019

Ein Porträt Serie von Führende Frauen.

Am 1. Juni 2018 feierte Daniel Eisenhuts „Lipstick Leaders“ in der «Kraftwerk» in Zürich Premiere. Das Konzept dafür wurde erstmals im Oktober 2016 gelegt. Die Idee bestand darin, Führung auf möglichst authentische Weise zu betrachten und diese Vision der Öffentlichkeit ohne politische Agenda zu präsentieren.

Als Daniel Eisenhut an Führungskräfte dachte, dachte er an Frauen. Für ihn bestand ohne Zögern oder Nachdenken ein klarer Zusammenhang zwischen den beiden. In diesem Zusammenhang sah er die Idee für ein Kunstprojekt. Er würde eine Installation schaffen, die an die Wände der Vergangenheit erinnert, die traditionell mit Porträts prominenter Männer bedeckt waren. Ernsthafte Porträts, deren Fokus eher auf Prestige und Autorität als auf ästhetischer Schönheit lag. In Eisenhuts Konzept war die Wand voller Porträts von Frauen, die ganz selbstverständlich unterschiedliche Führungspositionen übernahmen.

Wie jedes Projekt nimmt es mit der Zeit seine eigenen Leben an, sobald es über den mentalen Raum des Künstlers hinausgeht. Sobald die Prüfung durch andere zugänglich ist, strömen Fragen und Kritik ein. Eine dieser Fragen, mit denen Daniel Eisenhut regelmäßig konfrontiert wurde, war: „Warum Frauen?“ Die Einbeziehung von Frauen in Führungspositionen ist in unserer Gesellschaft nicht immer Selbstverständlich. Das Ziel des Projekts bestand jedoch nicht darin, zu beweisen, dass Frauen Führungspersönlichkeiten sein können, sondern darin, dass sie es bereits sind.

Als Daniel Eisenhut aufwuchs, sah er viele starke weibliche Führungskräfte. Während seiner Dienstzeit in der israelischen Armee waren es überwiegend Frauen die er als Führungskraft erlebt hart. Eisenhut erlebte aus erster Hand die Stärke und Entschlossenheit dieser Frauen und festigte in seinem Gedächtnis die Symbiose von Weiblichkeit und Führung.

Am Vorabend der Premiere von Lipstick Leaders wurde Daniel Eisenhut eingeladen über sein Projekt in der CNNmoney zu Erzählen – Moderatorin Ana Maria Montero

„Warum ‚Lippenstift‘“, war die Frage, die am häufigsten gestellt wurde, wenn man den Titel des Projekts hörte. Der „Lippenstift“ wurde zu dem Titel dieses Projekts eher ironisch hinzugefügt. Die Idee bestand darin, die Vorstellung von Frauen als nur schön zu untergraben. Obwohl Kosmetik oft mit äusserer Schönheit in Verbindung gebracht wird, kann sie auch dazu dienen, Aufmerksamkeit zu erregen. Der Mund wird in diesen ansonsten farblosen Porträts hervorgehoben und der Betrachter wird so aufgefordert, zuzuhören, was sie zu sagen hat.

Während der Porträtsitzungen führte Daniel Eisenhut mit jeder Frau ein Interview durch. Er stellte ihnen Fragen zu ihrer Herangehensweise an Führung, ihren Vorstellungen davon, was Führung bedeutet, und gab jeder Führungskraft Raum, ihre eigene Geschichte zu erzählen. Einige Frauen konzentrierten sich auf ihre Erziehung und ihre Anfänge, während andere sich auf ihre aktuelle Karriere konzentrierten und darauf, wie die Welt sie in diesen Rollen sah. Jede Frau hatte die Möglichkeit zu Wort zu kommen und sich Gehör zu verschaffen. Währenddessen zeichnete Eisenhut sie so, wie sie sich präsentierten, und das Ergebnis waren ernste, Head-Shot-ähnliche Porträts, die grösstenteils ohne Lächeln auftraten. Ein Streifen Lippenstift über ihren Lippen erinnert den Betrachter gleichzeitig daran, dass diese Frauen etwas zu sagen haben und dass im «Ernst» auch Schönheit liegt.

Für die Porträts wählte Daniel Eisenhut die seiner Meinung nach am weitesten verbreitete und ursprünglichste Substanz der Menschheit: Holzkohle. Er verwendete Kohle auf Kohlenstoffbasis, um Porträts zu schaffen, die uns alle in unserer Menschlichkeit verbinden sollten. Schliesslich bestehen wir alle aus Kohlenstoff. Dieses Medium zieht in Kombination mit der Präsentation der Werke in der «Kraftwerk» eine klare Grenze zwischen primitiven Höhlenmalereien aus unserer Vergangenheit und den Porträts prominenter Persönlichkeiten unserer Gegenwart. Die Gesellschaft spielt eine wichtige Rolle bei der Wahrnehmung dieser geschäftsmässigen Porträts, bei der Beobachtung, wie Frauen in Führungspositionen wahrgenommen werden und wie sie sich präsentieren. Daniel Eisenhut verwendet Holzkohle, um uns daran zu erinnern, dass wir in erster Linie Menschen sind und dass unsere Gesellschaft das ist, was uns zusammenbringt, so wie es Höhlenmalereien und Lagerfeuer seit Beginn der Sozialisierung getan haben.

Daniel Eisenhut erschuf „Lipstick Leaders“ als Versuch, den Stamm wieder zusammenzubringen. So oft konzentrieren wir uns nur auf unsere Unterschiede. Der „Lippenstift“, der manche weniger ernst macht als andere. Die hohe Position, die einen über und von den anderen abhebt. Der Wunsch, gesehen, gehört und verstanden zu werden, ist etwas, das wir alle verspüren. „Lipstick Leaders“ greift diese oft gegensätzlichen Vorstellungen von Eitelkeit und harter Arbeit, von Frau und Geschäft, von Höhlenmalerei und Hochglanz Head-Shot auf und bringt sie zusammen, um einen Standpunkt zu verdeutlichen. In jedem einzelnen von uns kann eine Vielzahl enthalten sein. Ein Porträt kann sowohl schwarz-weiss als auch farbig sein. Eine Frau kann Karriere machen und Mutter sein. Holzkohle kann sowohl primitiv als auch revolutionär sein. Lippenstift kann sowohl schön als auch ernst, subtil und eindringlich, oberflächlich und tiefgreifend sein.

Indem Daniel Eisenhuts „Lipstick Leaders“ uns daran erinnert, dass vieles gleichzeitig wahr sein kann, dass „und“ oft authentischer ist als „aber“, geht es um so viel mehr, als man auf den ersten Blick annehmen könnte. Es geht um Frauen. Es geht um Führung. Es geht um Gesellschaft, Geschichte und Menschlichkeit. Es stellt einen bestimmten Teil der Gesellschaft zur Schau, zeigt einen Teil in einem neuen Licht und erinnert uns daran, dass wir ein Ganzes sind. Jedes Porträt gehört so offensichtlich zur selben Serie, ist in seinem Abbild dem nächsten einheitlich und jede Frau ist gleichzeitig ihre eigene Person. Jede Geschichte ist anders und es gibt einen roten Faden, der sich von einer zur nächsten und durch uns alle als Menschen zieht.

Nach der ersten Ausstellung in der «Kraftwerk» in Zürich hat Daniel Eisenhut weiterhin Frauen in Führungspositionen porträtiert und interviewt. Im Laufe der Jahre sind über 150 Porträts entstanden, die in verschiedenen Formaten in mehreren Städten in der ganzen Schweiz ausgestellt wurden. Jede Ausstellung ermöglicht eine neue Sicht auf das Projekt und die Porträts. Kunst, Individualität und Gemeinschaft kreuzen sich bei jeder Veranstaltung und in jedem Raum werden Menschen zusammengebracht.

Als Daniel Eisenhut sich zum ersten Mal daran machte, das Projekt „Lipstick Leaders“ zu starten, erhielt er von seiner Männergruppe uneingeschränkte Unterstützung. Der Glaube dieser Männer an sein Projekt bestätigte Daniel Eisenhuts Idee, dass „Lipstick Leaders“ ein Ort der Konvergenz für die Gesellschaft sein könnte. Die weiblichen Führungspersönlichkeiten waren Teil einer grossen Gemeinschaft und konnten authentisch als solche dargestellt werden. Sie galten nicht als Oppositionelle oder Aussenseiter, sondern waren als Teil der Führungspersönlichkeiten unserer Gesellschaft willkommen.

Juli 2015 – The Pink Mark

Ein Kunstprojekt über Menschenrechte und Toleranz  

Bei der Herangehensweise an ein neues Projekt legt Daniel Eisenhut vor allem Wert auf Authentizität. Bevor er seine Werke kreiert, nimmt er sich die Zeit, hineinzuschauen und herauszufinden, ob es ihn bewegt. Selbstreflexion ist für seinen Prozess wichtig, ebenso wie der Blick auf die Welt um ihn herum. Daniel Eisenhut spricht mit Menschen, beobachtet und untersucht die Nuancen innerhalb einer Sache. Wenn er das Gefühl hat, dass da etwas ist, das ihn anspricht, ist er bestrebt, Kunst zu machen. Kunst, die die Menschen anspricht, die sie auf einer tieferen Ebene sehen als alles, was nur ästhetisch ist. Daniel Eisenhut’s Werk hat zunächst für ihn eine Bedeutung und trägt so weiterhin ihre Bedeutung in die Welt hinaus.

Wie bei jedem Projekt ist Neugier der erste Schritt. Wer in der Gesellschaft und unserer kollektiven Vergangenheit verwurzelt ist, ist für den Aufbau einer Gemeinschaft ebenso wichtig wie für deren Verwurzelung und erfordert zwangsläufig eine Gesprächsstarter. Mit seinem Projekt „The Pink Mark“ aus dem Jahr 2015 machte sich Daniel Eisenhut daran, ein Gespräch anzustossen. Wie gefährlich ist eine Markierung? Wie leicht ist es gegeben? Was kann ein Künstler tun, um die Menschlichkeit derjenigen zu zeigen, die einst als „andere“ markiert wurden? Dies sind einige der Konzepte, die Daniel Eisenhut in seinem Projekt „The Pink Mark“ untersucht.

Viele der Gräueltaten des Holocaust während des Zweiten Weltkriegs sind bekannt. Millionen litten und starben, weil der Staat bestimmte Gruppen nicht mehr als Menschen ansah. Juden wurden gezwungen, gelbe Sterne zu tragen. Die Nazis markierten sie und nährten das wachsende Feuer der Intoleranz. Menschen, die es ohnehin so gewohnt sind, sich gegenseitig zu beschimpfen, können einen Gleichaltrigen leichter entmenschlichen, indem sie sich auf nichts weiter als das konzentrieren. Sobald sie markiert waren, kamen sie gefährlich nahe an weniger als einen Menschen heran. Genau diese Markierungen wurden verwendet, um Menschen zusammenzutreiben und in den Tod zu schicken. So viele Menschen wurden wegen ihres religiösen Glaubens zu Unrecht zum Tode verurteilt.

Es wird oft vergessen, dass es noch andere gab. Politische Gefangene, gewöhnliche Kriminelle, Roma, Polen, Zeugen Jehovas und verschiedene „Unerwünschte“, darunter Menschen mit Behinderungen, erhielten alle Markierungen ihrer eigenen Farbe. Markierungen, die sie entmenschlichten und zu dem Gruppen organisierten.

Das „rosa Zeichen“ war Menschen aus der LGBTQ+-Community vorbehalten. Ein Dreieck aus rosafarbenem Stoff, dass an jenen befestigt werden kann, die sich durch ihre Sexualität auszeichnen. Diese Markierung verurteilte diese Personen zu harten Arbeitslagern im nationalsozialistischen Deutschland und bezeichnete sie als unerwünscht. Genau dieses «Zeichen» wollte Daniel Eisenhut 2015 in seinem Projekt „Pink Mark“ in Weissrussland hervorheben und darstellen. „The Pink Mark“ möchte diejenigen zeigen, die einst als Menschen markiert waren, und ihnen einen Platz in der Geschichte geben, an dem sie gesehen werden können.

Das von den Menschenrechtsorganisationen BeQueer und Gay Belarus initiierte Projekt war Teil einer Bewegung zur Sensibilisierung für Toleranz und Menschenrechte. Teils Performance, teils Ausstellung: Das Projekt „The Pink Mark“ fand in Minsk statt und verband das Spektakel der Live-Porträt mit der neugierigen Galerie Besichtigungen. Es fanden Vorträge und Workshops zum Thema Toleranz statt, während Daniel Eisenhut Mitglieder einer Gemeinschaft anzog, die so oft vom Geschichtsunterricht ausgeschlossen wird.

Nackte Kohle-porträts vermenschlichen und verewigen die Motive in Daniel Eisenhuts Werken. Die Menschen, die einst allein wegen ihrer Seltsamkeit verhaftet worden wären. Die für dieses Projekt hergestellten Werke hat Daniel Eisenhut mit Kohle gezeichnet, einem der ältesten und ursprünglichsten Medien der Menschheit. Indem Eisenhut seine Leinwand am Boden befestigt, kann er beim Schaffen über der Leinwand knien und kauern. Daniel setzt seinen ganzen Körper ein, um seiner Arbeit Leben einzuhauchen. Diese Porträts haben eine Echtheit, die aus der Nähe des Künstlers resultiert. Die nackten Figuren und der Minimalismus der verwendeten Materialien dienen dazu, den Betrachter so nah wie möglich an das Original heranzuführen. Zwischen den Menschen, die die an der Wand angebrachten Bilder betrachten, und den Menschen, die sie porträtieren, steht kaum etwas. Alle Markierungen, die so oft zur Beurteilung einer Person verwendet werden, werden entfernt. Ohne Kleidung oder Umgebung, die uns sagt, was wir denken sollen, müssen wir die Person direkt anschauen. Der Betrachter wird in seiner eigenen Unsicherheit verletzlich.

Anschliessend brachte Daniel Eisenhut den Zuschauern die Menschen hinter seiner Kunst noch näher. Das Thema der Veranstaltung war Toleranz und Menschenrechte. Etwas, das nicht in einem unpersönlichen Vakuum betrachtet werden kann, kann daher keine bloss passive Kunstausstellung sein. Stattdessen erfordert „The Pink Mark“ die Interaktion und Teilnahme, die Toleranz in einer Gemeinschaft erfordert. Es musste provozieren und sich engagieren.

Um auf das Gewicht der Intoleranz und die Gefahren der Markierung aufmerksam zu machen, nutzte Daniel Eisenhut die rosa Dreiecke, die seinem Projekt seinen Namen gaben. Besucher der Ausstellung erhielten Dreiecke, die sie neben den Porträts anheften konnten. Dreiecke in verschiedenen Farben wurden verwendet, um diejenigen zu markieren, die ihrer Meinung nach queer, behindert usw. waren. Diese aktive Teilnahme macht deutlich, wie wichtig es ist, eine Person auf den ersten Blick zu beurteilen, und führt dazu, dass die beteiligten Personen in sich selbst erkennen, welche Rolle Toleranz und Intoleranz spielen. Für einige gab es sogar ein Gefühl der Identität. Gesehen zu werden. Obwohl eine Gegenreaktion zu erwarten war, akzeptierte die Öffentlichkeit in Weissrussland bei einem solch kontroversen Konzept die Show und die Markierung weitgehend als Chance zur „Selbsterkennung“.

Dies war ein offener Raum, und die rosafarbenen Markierungen waren überall sichtbar neben den Kohle-porträts angebracht. Hat sich die „Abstimmung“ der anderen Teilnehmer auf diejenigen ausgewirkt, die die gleichen Kunstwerke gesehen haben, nachdem sie markiert wurden? Vielleicht wurde einem durch die blosse Hervorhebung der Leichtigkeit, mit der jemand markiert werden kann, auch eine wichtige Lektion erteilt, wenn es darum geht, die Gründe für unsere eigenen Vorurteile zu hinterfragen. Sind unsere Meinungen jemals unsere alleinige? Während die Besucher vom Betrachter der Kunst zum Gegenstand der Selbstreflexion wurden, erfüllte „The Pink Mark“ seinen Zweck, das Bewusstsein für Menschenrechte, Toleranz und die vergessenen Opfer des Holocaust zu schärfen.

Die Ausstellung lief im Juli 2015 zwei Wochen lang. Mehr als 2000 Besucher mit unterschiedlichem Hintergrund kamen, um teilzunehmen und mehr über die Arbeit von BeQueer, Gay Belarus und Daniel Eisenhut zu erfahren. Das Projekt war sowohl ein grosser Erfolg als auch ein wichtiges Sprungbrett für weiteren Aktivismus durch Kunst. Als un-offizieller Unterstützer des Projekts war der damalige niederländische Botschafter sowohl schockiert als auch beeindruckt von dem Konzept und der Beteiligung.

Das Projekt „The Pink Mark“ in Minsk diente dazu, die Mitglieder der LGBTQ+-Community zu ehren und ihnen gleichzeitig einen Platz in der Gedenkstätte des Holocaust zu verschaffen. An diesen Wänden wurden sie gesehen und nicht vergessen.

«la calsse» September 2015

Der «syrische» Kunstprojekt – ein Portrait Sammlung von Kinder auch Syrien und die Schweiz

Hintergrund

Die Idee, an einem syrischen Projekt bzw. an den dadurch ausgebrochenen Flüchtlingskrisen zu arbeiten, geisterte mir das ganze Jahr 2014 durch. Nachdem ich in Kiew an einem Projekt gearbeitet hatte, das sich mit russisch-ukrainischen Müttern beschäftigte, war mir klar, dass diese Form entstehen würde „à jour-art“ (eine Mischung aus Kunst und Journalismus) ist etwas, dem ich folgen möchte. Das Sehen oder Spüren meiner Modelle in ihrer eigenen Realität, in der sie leben, in ihrem „Jetzt“, hatte etwas, das mich sehr anzog.
Es hat mich dazu gebracht, mich an ihren Zustand anzupassen und mich an ihn anzupassen, und hat mich, wie ich es verstanden habe, zu einem besseren Künstler gemacht. Ich musste zuhören.
Das Jahr 2015 begann für mich persönlich mit einer guten Nachricht, ich hatte drei Shows gebucht und verhandelte über ein Kunstprojekt in Weißrussland (The Pink Mark). Gleichzeitig erreichte die Flüchtlingskrise ihren Höhepunkt und an der griechischen Küste und an der ungarischen Grenze wurde das Leid noch sichtbarer als zuvor. In meinem Hinterkopf hatte ich die Idee, etwas zu tun, aber ich hatte keinen klaren Plan dafür.

Erst bei meiner größten Show des Jahres, die mit einigen Prominenten und dem allgemeinen Reichtum Zürichs gefüllt war, traf ich Aicha Baakili und nach einem kurzen Gespräch mit ihr fanden wir die gemeinsame Basis, die die Prämisse für das „la clase“-Projekt schuf.
Das Konzept für das Projekt wurde sehr schnell entwickelt und nachdem Aicha bereitwillig bereit war, es zu finanzieren, vereinbarten wir einen Termin für unseren Flug an die türkisch-syrische Grenze.

Wie bei den meisten meiner Projekte war es ein Sprung ins kalte Wasser. Das Ausmaß des vorliegenden Themas war überwältigend, aber das Porträtieren war für mich ein völlig neues Terrain, an dem ich nie gearbeitet habe. Die Tatsache, dass ich gerade einen sehr intensiven On-Mount-Aufenthalt in Minsk, Weißrussland, für „The Pink Mark“ beendet habe, hat nicht viel geholfen. Ich war roh, an meiner grenzen, aber gleichzeitig auch sehr klar und nüchtern.

Wir nahmen Kontakt zu Bekannten von Aicha in der Grenzstadt Sulinurfa (Urfa) auf, die uns bei unserer Suche helfen würden. In den nächsten zehn Tagen fanden wir unseren Weg zu Flüchtlingslagern, Slums und Straßenrändern zwischen der Stadt und der verschwommenen syrischen Grenze. Wir hatten Gespräche und Begegnungen, aber hauptsächlich habe ich das gemacht, wozu ich gekommen bin: Flüchtlingskinder zu porträtieren.

Ein kurzer Klip der das Projekt beschreibt

Konzept «la classe» (Die Klasse)

Einführung

Der Geschichte meiner Familie ist mit Geschichten von erzwungener Emigration umwoben. Die Familie meiner Grossmutter suchte Schutz im ottomanischen Palästina wegen der immer wiederkehrenden Pogrome in Weissrussland. Meines Grossvaters Familie wiederum verliess Polen, um in den USA bessere ökonomische Zustände zu suchen. Später verliess sie die USA wieder, um in Palästina der frühen 1920er ein Refugium für das Jüdische Volk zu bauen.

Mein Grossvater und Vater und in gewisser Weise auch ich, haben die Palästinenser zu Flüchtlingen gemacht oder sie in diesen Zustand gehalten

Meine Grossmutter hat uns immer Geschichten erzählt über die grosse Deportation der jüdischen Population von Tel Aviv nach Galiläa durch die türkische Armee. Sie hat erzählt von den Schlägen,  die Ihr Vater und alle Ältesten der Gemeinde von den Türken bekommen haben, auch darüber, wie die Türken  zwei ihrer Brüder zwangsrekrutiert haben. Sie konnte sich immer an die Kälte erinnern und an den Hunger, der sie zwang, Maiskörner aus dem Pferdekot zu suchen, um es zu Rösten und zu verzehren.

Aber für mich waren Grossmutters Kindheitsgeschichten auf eine besondere Weise nie „schlimm“ gewesen. Sie hat sie immer mit kleinen Anekdoten über Ihre jüngere Schwester oder wie sie einer ihre Brüder der bleich und so sehr mager war das die Türken Angst hatten in ihre Hütte rein zu kommen (was wiederum einer andere Bruder gerettet hat.  Es gab aber keinen Hass und keinen Groll oder Angst, nur Kindheitsgeschichten.

Damals, als ich diese Geschichten hörte, wollte ich mich immer in ihre Kindheit versetzten und auch ein Flüchtling sein.

Konzept

Kinder passen sich an, es wurde in den Gettos der NS-Zeit bis zuletzt Kinder beim Spielen beobachtet. Es gibt Berichte, nach denen sogar  Kindersoldaten manchmal wieder zu Kinder werden und spielen und lachen, sobald die Situation es erlaubt. Ein Kind ist ein Kind es ist der Geschichte der erwachsenen der Kinder misshandelt, verhungert, geliebt oder umarmt macht.

Das Zentrum von „la classe“ ist das Kind ohne Geschichte oder Herkunft; ein Flüchtling in der Welt der Erwachsenen.

“la classe”

“la classe” ist eine Installation, die aus Kinder-Portraits zusammengestellt ist. Es werden syrische Kinder, die auf der Flucht sind und Schweizer Kinder portraitiert. Die Portraits werden mit einfachen Mitteln gefertigt (schwarzem Kugelschreiber auf A4-Papier) und werden in einfacher Art gerahmt. Dann werden sie anonym zusammen aufgehängt als gehörten sie zu einer Schulklasse, „la classe 2015“.

Begründung

Form; Der moderne mediale Marketingapparat benutzt immer wieder Kinderbilder, um Emotionen zu wecken, um Angst zu schüren oder Empathie auszulösen.

Die Gleichstellung von Kindern aus der eigenen behüteten Umgebung mit Flüchtlingskindern aus Lagern und Notunterkünften soll beides tun, Empathie für die Not anderen wecken, aber auch ein wachrütteln.  Die Gleichstellung in der bekannten schulischen Form soll dem Betrachter aber einen Raum bieten, dies ohne den Marketinganspruch zu verarbeiten, einen Raum zu geben, wo er eine eher abstrakte Realität wahrnehmen kann; „wir sind alle gleich“.

Material; Die Benutzung der schulischen, fast bürokratischen Materialien wie Kugelschreiber und A4-Format hat verschiedene Gründe. Nebst der praktischen Überlegung im Angesicht des ungewissen Terrains vor allem in Syrien aber auch hier, war es für mich wichtig, dass ich schnell reagieren kann und nicht viel überlegen muss. Ich habe mich an Kriegsreporter der 1800er orientiert, aber mit der visuellen Suche, die eigentlich einer Kamera entsprechen soll.

Es sollte mich auch wieder in meiner Schulzeit versetzten, an das Kribbeln in meinen Heften erinnern und was es bedeutet Kind „Schüler“ zu sein.

Ziel/Absicht   

Wenn ich mich Aktionen wie „la classe“ widme, ist es oft recht impulsive und spontan es müsse ein paar Sachen einfach stimmen und  „los geht’s“.  Eine dieser „Sachen“  ist Angst. Ich muss Angst haben vor das Thema, mögliche Konsequente, Handwerkliche Überforderung usw.   

Im „la classe“ begegne ich alle diese Ängste und noch ein paar mehr.

Ich will keine Angst haben.

Das Projekt wurde im November 2015 in der Galerie La Sud in Zürich und dann 2016 bei den Vereinten Nationen in Genf im Rahmen der Genfer Konvention der Organisation UNwatch präsentiert.

Interview zum Projekt
Aicha Baakili; Daniel wie bist zur „la classe“ Konzept gekommen?

Daniel Eisenhut; Das Konzept als solches ist durch unsere Gespräche entstanden; über meinem früheren Projekte und über deine karitative Arbeit in dem nahen Osten. Es folgt aber einer für mich und meine Arbeit sehr fundamentale Grundsatz; wir tragen zwar alle unterschiedliche Geschichten mit und wir tragen dieser „last“ auch  jeder auf seine individuelle Art, aber wir alle schlussendlich gleich sind.


AB; Warum machst solche Projekte eigentlich?

DE; Eine direkte Antwort habe ich nicht, oft folge ich aber wie zb in der „la classe“ Projekt meine tiefsten Ängste; ich habe Angst vor dem Flüchtling sein, oft ich habe Alpträume wo ich die Kinder meiner Schwestern  aus Flüchtlingslagern befreien muss. Dazu kommt eine sehr klare Angst die direkt aus dieser aktuellen Flüchtlings Krise.


AB; Warum folgst du dein Angst? 

DE; Wie ich das sehe ist  Angst wenn ich will oder nicht, der Hauptmotivator des menschlichen das sein. Weil Angst nicht gerade etwas das ich persönlich ansehen will, habe ich früh gelernt Sie um so genauer anzusehen, so gewinne ich meine persönliche Freiheit.


AB; ich bin eine Araberin und du Israeli wie denkst du beeinflusst dass dieser Projekt?

DE; Unsere kulturelle  Unterschiede kommen da weniger zur gelten aber unsere kulturelle Gemeinsamkeiten geben direkt und indirekt den „la classe“ Projekt sein Bodenhalt. 
Vielleicht tut dieser sehr symbolische Fakt nur das Projekt unterstreichen; es geht da nicht um Nationen, Fahnen, Kulturen oder ähnliche Blödsinn sondern um Menschen, um Kinder, ganz einfach.  

AB; Für den „la classe“ Projekt hast du sehr einfache Materialien gewählt (Kugelschreiber auf A4 Papier), Warum? 

DE; In meiner Arbeit geht es grundsätzlich um ein Versuch die Sachen auf den Punkt zu bringen. Vor allem wenn es geladene Themen wie Zb, Schwule rechte in Belarus wie in meiner vorige Projekt oder wie eben hier um Flüchtlingskinder mitten einer Flüchtlingskrise geht, kann auch jeder so kleine Überreizung das Ganze zu Verschwommenheit bringen. 
Dazu kommt das praktische Überlegung das in der „la class“ Projekt konnte ich nicht wissen wo und in welche Bedingungen Ich arbeiten werde, mit diese Materialien kann ich sehr schnell reagieren und mich dem Situation anpassen. 


AB; Die Arbeit mit den Kindern fehlt dir oft sehr schwer, warum?

DE; Die Arbeit als solches ist leicht ich mache nur was ich immer machen wollte ich zeichne Menschen. Was ich völlig unterschätzt habe ist das diese Kinder fast ausnahmslos traumatisiert sind, manche mehr manche weniger. Ich kenne das PTSD aus den Gesichtern von erwachsenen Freunden und Bekannten in Israel wo es Relative viel vorkommt, aber hier sind es Kinder die dieser Trauma Zeichen im Gesicht tragen. 
Wenn ich Menschen zeichne probiere ich Sie so zu malen wie Sie eben vor mir sind und versuche dabei so neutral wie möglich zu bleiben. Dies bringt mit sich das ich oft Sachen sehe die ich nicht wirklich lustig sind. 

AB; Wie wirkt das auf die Bilder?

DE; zu meiner Überraschung sind die Bilder oft sehr Naiv fast Kitsch, man sieht das es um Kinder geht aber sie wirken sehr alt.


The Motherland (2014)

Ein Porträt- Kunstprojekt mit ukrainischen und russischen Müttern

Nackte, sitzende Frontalporträts von Müttern. In seinem Portrait-Kunst-Projekt aus dem Jahr 2014 reiste Daniel Eisenhut mit einer einfachen Frage nach Kiew: Gibt es einen Unterschied zwischen Müttern verschiedener Nationalitäten? Indem Daniel ukrainische und russische Mütter nackt darstellt, ermutigt er uns und seine Models, diese Frage immer wieder zu stellen.

Mit diesem Projekt stellt Eisenhut unsere „Ideen“ über unsere Identität und Vorurteile über die kulturelle Vormachtstellung, die wir normalerweise mit uns tragen, in Frage. Indem er uns die unverfälschte Wahrheit zeigt. In unserem Wesen sind wir alle gleich. Aber er tut dies nicht, indem er die Zuschauer zwingt, seine Sichtweise zu akzeptieren, sondern indem er sie fragt, was ihrer Meinung nach die Unterschiede wirklich sind.

Ich saß an einem sonnigen Tag mit Daniel zusammen und stellte ihm ein paar Fragen zum Projekt:

Ihr erstes Portrait-Base-Art-Projekt im Jahr 2014 nannten Sie „Mutterland“, warum genau?

Darüber hinaus habe ich mich im Kunstprojekt auf Mütterporträts konzentriert. Der Name geht auf einen russischen Slogan aus dem Zweiten Weltkrieg zurück, der im Wesentlichen lautet: „Das ist unser Mutterland!“ es heißt: „Das ist es! Es gibt keinen anderen Ort, an den man gehen kann.“ Es war etwas, das ich in meiner Jugend als Scherz gelernt habe, aber es blieb mir erhalten, bis ich einen Weg fand, es zu nutzen.

Ist es nicht hart, einen kampfmoralischen Slogan als Namen für ein Projekt zum Thema Mutterschaft zu verwenden?

Ich kann nicht sagen, dass es bei dem Projekt um Mutterschaft als solche geht, es geht vielmehr um das Wesen der Menschlichkeit. Mutterschaft ist meiner Meinung nach die tragende Säule unserer Gesellschaft. Aus heutiger Sicht finde ich, dass der Slogan von damals heute noch besser passt. Ich habe das Gefühl, dass heute alles, was menschlich ist, irgendwie angegriffen wird. Mutterschaft ist die letzte Verteidigungslinie. „Das ist unser Mutterland!“ hat heute eine andere Bedeutung, ist aber nicht weniger dringlich.

Sie sind kurz nach dem „Maidan-Aufstand“ und mehr oder weniger zu Beginn des Donezk-Krieges nach Kiew gereist, um russische und ukrainische Mütter zu malen. Wie sind Sie überhaupt zu diesem Projekt gekommen und wie wurde Ihre Idee damals dort wahrgenommen?

Das sind zwei große Fragen. Der Start des Projekts war magisch und einfach, zwei Tage nach der Konzeption während eines Kaffees mit einer Freundin in Zürich. Rief ich wegen einer anderen Angelegenheit einen alten Freund an und erwähnte die Idee. Er meinte, dass er zufällig eine Gruppe ukrainischer Frauen beherbergte, und sagte, wenn ich möchte, könne ich kommen und mit ihnen reden. Das tat ich und in weniger als zwei Wochen hatte ich Mütter, die sich bereit erklärten, Model zu stehen, ein Studio und eine Gastgeberin in Kiew.

Wie das Projekt wahrgenommen wurde, kann ich nicht wirklich sagen, einige Mütter mochten die Ideen, aber das Hauptgefühl war eher zweifelhaft als hoffnungsvoll, wenn ich es so beschreiben kann. Den meisten Beteiligten war es lieber, mir die Unterschiede zwischen den Nationen zu zeigen, als nach Gemeinsamkeiten zu suchen. Ich musste ihnen die Porträts nebeneinander zeigen, um zu zeigen, wie mein Konzept funktioniert.

Sie müssen verstehen, dass ich damals keine Ahnung von der Region in ihrem heutigen Zustand hatte. Ich konnte etwas Russisch (nicht mehr) und kannte mich mit der Geschichte aus, und wie die meisten Menschen in meinem Alter war in meinem Kopf alles östlich von Berlin ein großes sowjetisches Land. Was mir während meines Aufenthalts in Kiew beschimpft wurde, erzwang einen völligen Neustart von allem, was ich zu wissen glaubte. Es war toll.

Wie hat „Motherland“ die anderen Kunstprojekte beeinflusst, die Sie danach durchgeführt haben?

Mehr als alles andere hat es mir Lust auf mehr gemacht, es hat gezeigt und unterstrichen, wie ich Kunst machen möchte. Die Idee, Kunst als Werkzeug zu nutzen, um meine Kunst sozusagen „auf dem Feld“ zu erforschen und zu schaffen, war eine sehr tiefgreifende Erfahrung. Es hat mich zu einem besseren Künstler gemacht; Dank dessen kann ich meinem Stamm jetzt besser dienen.

Ein Interview mit Daniel Eisenhut über die Philosophie hinter dem Projekt, der Interview mit dem Künstler Jorge Domínguez Dubuc wurde im Vorfeld der Abreise nach Kyiv auf Englisch aufgenommen.

The Club 2016

Inklusion, Kommunikation, Autismus und eine Social Club

«Wie kann ich mit Menschen kommunizieren, die in ihrer Kommunikation eingeschränkt sind?

Wie kann ich eine Gruppe von solchen Menschen in einem hochkommunikativen Rahmen ebenbürtig einschliessen?»

Daniel Eisenhuts Inklusions-Kunst-Projekt aus 2016 widmete sich dem Thema Autismus:

„Mit dem Projekt „the Club“  kann ich – wenn auch nur mit Bildern – einen sozialen Rahmen erschaffen, wo alle eine ebenbürtige Mitsprache haben, egal ob mit Autismus oder ohne“, sagte der Künstler.

Nach grenzüberschreitenden Inklusions-Kunstprojekten mit Syrischen und Schweizer Kindern und mit LGBT-Leuten in Belarus testete 2016 Eisenhut sein Grenzen erneut, indem er Menschen mit und ohne Autismus portraitierte und so durch Kunst einen „Social Club“ in der Tradition wie die Lions, Rotarier oder die der Round Table kreierte.

M. Huber, ein von Autismus Betroffener, sagt über das Projekt:

„Daniel Eisenhut lädt mit seinem Projekt zum runden Tisch ein auf eine Weise, dass auch Menschen mit Autismus sich als erwünscht erkennen und erleben.“

Das Projekt wurde mit enger Unterstützung von Autismus Deutsche Schweiz und der Round Table Zürich sowie JCI Zürich und Zürichsee (Junge Wirtschaftskammer Schweiz) erarbeitet.  

Persönliche Motivation

Inklusion, langer Zeit kannte ich das Wort nicht, sie wurde mir von einer meines ersten Modells den ich für dieses Projekt portraitiert habe vorgestellt.

Sein Name; Mathias, er ist ein Berater bei einem Berner Kantonalamt, um die 50j und Autist. In Meiner Alltag zwischen Meetings, Networking, Dating ect. Treffe ich kaum Leute wie Matthias,  geschweige mit ihnen zu reden und mit ihrem Alltag auseinander zu setzen.

Je mehr das ich mich in dieses Projekt vertiefe desto versteh ich die Wirkung dass es auf mich persönlich und auf alle Teilnehmer hat.

Wir sehen einender, wir nehmen einander wahr.  

Kunst ermöglicht Sachen zu kreieren, die es eigentlich nicht gibt. Sie gibt mir auch die Freiheit dorthin zu schauen, wo ich sonst nicht hinschauen würde und stellt mir immer wieder Fragen, die ich nur mit Kunstwerken beantworten kann. Mit diesem Projekt ermöglicht auch wenn nur im geistigen sinne, ein Treffen zwischen zwei Welten, und somit werden Räume für erweitertes Bewusstsein für alle beteiligten ermöglicht. Eine Inklusion eben.

Daniel Eisenhut

Projekt Round Table: Inklusion

Daniel Eisenhut, Künstler, machte mich darauf aufmerksam, dass er Mitglied des Round Table Zürichs ist und in seinem Kunstprojekt gerne Menschen mit und ohne Autismus an einen runden Tisch vereinen möchte, ohne dass in irgendeiner Weise geregelt ist, wer wen einlädt.

Die Idee, dass Jeder Jeden einladen darf, keine Barrieren oder Grenzen von Definitionen von normal und behindert definiert sein müssen, gar obsolet sind, haben mich angesprochen. 

Dass sich bereits einige Männer mit Autismus für dieses Projekt haben porträtieren lassen, zeigt, wieviel es möglich macht.

Menschen mit Autismus werden selten von anderen Menschen eingeladen.

Weil sie oft mimisch, gestisch und verbal nicht zeigen können, dass sie interessiert sind an ihren Mitmenschen, wird fälschlicherweise angenommen, dass sie kein Bedürfnis hätten an sozialen Kontakten.

Hinzu kommt, dass die Alltagswelt nur zu ihren eigenen Bedingungen einlädt. Konkret: „Du bist eingeladen, wenn du auch mal was sagst, wenn du eine Meinung hast, wenn du mitlachst, wenn du zeigst, dass du uns magst,…“

Daniel Eisenhut lädt mit seinem Projekt zum runden Tisch ein auf eine Weise, dass auch Menschen mit Autismus sich als erwünscht erkennen und erleben.

Wenn Menschen ohne Autismus erfahren, dass Autisten auch dabei sind, wird über kurz oder lang die immer noch vorherrschende, etwas einseitige Sicht auf den Autisten verändert werden.

Im „Zeitalter der Inklusion“ ist dieses Kunstprojekt nicht nur spannend, sondern aus meiner Sicht von grosser Bedeutung.

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Matthias Huber

Vorstandsmitglied, hat selber Asperger-Autismus

The Club wurde an der Jedlitschka Gallerie in Zürich Oktober 2016 presäntiert.