Lipstick Leaders 2016-2019,
100 Porträts von Frauen in Führungspositionen.
Premiere im Kraftwerk Zürich, Juni 2018. Porträtsitzungen im Haus «The Female Quotient» am Weltwirtschaftsforum in Davos. Ein Gespräch bei CNN Money Switzerland mit Ana Maria Montero. Präsentation an der Lean-In- Convention in Zürich. 2019 in voller Grösse an der Kunstmesse Kunst Zürich.



Wenn ich an Führung dachte, dachte ich an Frauen. Ohne Zögern, ohne Nachdenken. Aus diesem selbstverständlichen Zusammenhang entstand die Idee.
Ich wollte eine Installation schaffen, die an die Wände der Vergangenheit erinnert: bedeckt mit Porträts prominenter Männer, ernst, auf Prestige und Autorität ausgerichtet statt auf Schönheit. Nur hängen an meiner Wand Frauen, die unterschiedliche Führungspositionen einnehmen — so selbstverständlich, wie es dort immer schon hätte sein können.



Warum Frauen?
Die Frage kam regelmässig. Dass Frauen in Führungspositionen selbstverständlich sind, ist in unserer Gesellschaft nicht selbstverständlich.
Aber es ging mir nie darum zu beweisen, dass Frauen führen können. Es ging darum zu zeigen, dass sie es bereits tun.
Ich bin mit starken weiblichen Führungsfiguren aufgewachsen. Ich habe ihre Stärke und Entschlossenheit aus erster Hand erlebt, und das hat die Verbindung von Weiblichkeit und Führung für mich früh festgeschrieben.


Warum Lippenstift?
Die zweithäufigste Frage. Der Titel ist ironisch gemeint.
Kosmetik gilt als Sache der äusseren Schönheit. Sie kann aber auch Aufmerksamkeit lenken. In diesen ansonsten farblosen Porträts ist der Mund das Einzige, was Farbe trägt. Der Betrachter soll hinsehen — und zuhören, was sie zu sagen hat.
Der Lippenstiftstreifen erinnert an beides gleichzeitig: dass diese Frauen etwas zu sagen haben, und dass auch im Ernst Schönheit liegt.
Die Sitzungen
Zu jedem Porträt gehört ein Gespräch. Ich frage nach dem eigenen Zugang zu Führung, danach, was Führung für sie bedeutet, und lasse Raum für die eigene Geschichte. Manche sprechen über ihre Herkunft und ihre Anfänge, andere über ihre gegenwärtige Position und darüber, wie die Welt sie darin sieht.
Währenddessen zeichne ich sie so, wie sie sich zeigen. Was entsteht, sind ernste Porträts, meist ohne Lächeln.



Warum Kohle
Ich habe das ursprünglichste und verbreitetste Material gewählt, das die Menschheit kennt: Holzkohle. Kohlenstoff — woraus wir alle bestehen.
Zusammen mit dem Ausstellungsort, einem ehemaligen Kraftwerk, zieht das Material eine Linie von den Höhlenmalereien unserer Vergangenheit zu den Porträts prominenter Persönlichkeiten unserer Gegenwart. Es soll daran erinnern, dass wir zuerst Menschen sind und dass Gesellschaft das ist, was uns zusammenbringt — so wie Höhlenmalerei und Lagerfeuer es seit Beginn getan haben.






Was es zusammenhält
Wir konzentrieren uns oft auf das Trennende. Der Lippenstift, der manche weniger ernst erscheinen lässt. Die Position, die einen über die anderen hebt. Dabei will jeder von uns gesehen, gehört und verstanden werden.
Lipstick Leaders bringt diese scheinbaren Gegensätze zusammen: Eitelkeit und harte Arbeit, Frau und Geschäft, Höhlenmalerei und Hochglanzporträt. Vieles kann gleichzeitig wahr sein. «Und» ist oft ehrlicher als «aber». Ein Porträt kann schwarzweiss und farbig sein. Eine Frau kann Karriere machen und Mutter sein. Kohle kann primitiv und revolutionär sein.
Jedes Porträt gehört sichtbar zur selben Serie, und jede Frau bleibt darin ihre eigene Person.
Nach der ersten Ausstellung habe ich weiter porträtiert und interviewt. Die Arbeiten wurden in verschiedenen Formaten und mehreren Schweizer Städten gezeigt. Jede Ausstellung öffnete eine neue Sicht auf das Projekt.










Lipstick Leaders 2016-2019 Werk Dokumenatation

